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Das Mikrobiom: die große Zukunftshoffnung der (Ernährungs-)Medizin

In den letzten Jahren ist das Interesse an dem menschlichen Mikrobiom und der Forschung in diesem Bereich stark gestiegen. Neue Erkenntnisse und Forschungsansätze machen es zu einem spannenden Feld – auch für die (Ernährungs-)Medizin.

Das Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen, wie Bakterien, Viren und Pilze, die unseren Körper besiedeln. Es bildet ein komplexes Ökosystem, das eine Vielzahl von Funktionen erfüllt und eng mit unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden verbunden ist. Es spielt dabei eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung unserer Gesundheit. Es ist an zahlreichen lebenswichtigen Prozessen beteiligt, darunter die Verdauung, die Aufnahme von Nährstoffen, die Stärkung des Immunsystems und sogar die Regulation unserer Stimmung. Ein Ungleichgewicht im Mikrobiom, auch als Dysbiose bezeichnet, kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen, wie beispielsweise entzündlichen Darmerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Allergien und sogar psychischen Störungen.

Exkurs: Mikrobiom und Psyche

Die Darm-Hirn-Achse ist ein faszinierendes Konzept, das die Verbindung zwischen unserem Darm und unserem Gehirn beschreibt. Eine wachsende Anzahl von Studien deutet darauf hin, dass das Mikrobiom eine zentrale Rolle bei dieser Kommunikation spielt. Die Mikroorganismen in unserem Darm produzieren eine Vielzahl von Stoffwechselprodukten und Neurotransmittern, die über den Blutkreislauf und direkte Nervenverbindungen mit dem Gehirn interagieren können. Diese Interaktionen können die Funktionen des Gehirns beeinflussen, einschließlich unserer Stimmung, des Stresslevels und des kognitiven Verhaltens. Störungen im Mikrobiom können daher Auswirkungen auf die Gehirnfunktion haben und mit Erkrankungen wie Depressionen, Angstzuständen und neurologischen Störungen in Verbindung gebracht werden. Die Erforschung der Darm-Hirn-Achse und des Mikrobioms eröffnet somit neue Wege für die Behandlung von psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen.

Das Mikrobiom und die Gesundheit: eine komplexe Beziehung

Die Erkenntnis, dass das Mikrobiom eine Schlüsselrolle bei der Gesundheit spielt, hat zu einem wachsenden Interesse an seiner Modifikation geführt. Eine vielversprechende Möglichkeit zur Beeinflussung des Mikrobioms ist die Ernährung. Untersuchungen haben gezeigt, dass bestimmte Lebensmittel und Nährstoffe eine positive Wirkung auf die Diversität und den Zustand des Mikrobioms haben können. Zum Beispiel können ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte das Wachstum nützlicher Bakterien fördern und so die Gesundheit des Mikrobioms unterstützen.

Aufgrund der ersten Ergebnisse wurden weitere Studien angestoßen, die den Einfluss des Mikrobioms auf bestimmte Erkrankungen untersuchen. Die Hoffnung ist, dass durch gezielte Interventionen das Mikrobiom beeinflusst und Krankheiten behandelt oder sogar verhindert werden können. Bereits gibt es vielversprechende Ergebnisse, beispielsweise in der Krebsforschung, wo das Mikrobiom als möglicher Faktor für die Wirksamkeit von Immuntherapien identifiziert wurde. Es besteht die Möglichkeit, dass eine Modifikation des Mikrobioms die Effektivität dieser Therapien verbessern kann.

Personalisierte Ernährung und das Mikrobiom

Die Zukunft der (Ernährungs-)Medizin liegt auch in der personalisierten Ernährung, und das Mikrobiom spielt dabei eine wichtige Rolle. Jeder Mensch hat ein individuelles Mikrobiom, das durch verschiedene Faktoren wie Genetik, Umwelt und Ernährung geprägt wird. Die Analyse des Mikrobioms kann wertvolle Informationen liefern, um individuelle Gesundheitsrisiken zu identifizieren und personalisierte Empfehlungen zur Optimierung des Mikrobioms zu geben. Mithilfe von Probiotika, Präbiotika und spezifischen Ernährungsempfehlungen könnte es möglich sein, das Mikrobiom gezielt zu beeinflussen und so die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern.

Das macht Ernährungexpert:innen, wie auch wir sie bei uns an der Hochschule ausbilden, zu wichtigen Akteur:innen, wenn es um die Forschung und Empfehlungen rund um das Mikrobiom und die Gesundheit geht. Wir geben unseren Student:innen das nötige Werkzeug an die Hand, um Studien und neue Erkenntnisse einordnen und bewerten zu können und diese in der Praxis anzuwenden. 

Herausforderungen und offene Fragen der Mikrobiom-Forschung

Es gibt jedoch noch viel zu erforschen und zu verstehen, wenn es um das Mikrobiom geht. Die Komplexität dieses Ökosystems ist enorm, und es gibt viele offene Fragen. Wie interagieren die verschiedenen Mikroorganismen miteinander und mit unserem Körper? Wie können wir die Vielfalt des Mikrobioms fördern und Dysbiose verhindern? Welche Rolle spielt das Mikrobiom bei bestimmten Erkrankungen und wie können wir es therapeutisch nutzen? Das sind nur einige der Fragen, die weiter erforscht werden müssen.

Trotzdem lässt uns die Forschung zuversichtlich in die Zukunft blicken. Das Mikrobiom hat das Potenzial, unsere Sichtweise auf die Medizin und die Gesundheit grundlegend zu verändern. Es eröffnet neue Wege für die Prävention und Behandlung von Krankheiten sowie für die Entwicklung personalisierter Therapien. Es ist eine große Zukunftshoffnung der (Ernährungs-)Medizin, die es lohnt, weiter zu erforschen und zu unterstützen.

Gesundheit und gesunde Ernährung bleiben im Trend

Auch in unseren Studiengängen Ernährungswissenschaft und Prävention (B.Sc.) und Lebensmittelmanagement und -technologie (B.Sc.) beschäftigen wir uns mit den aktuellen Erkenntnissen und den offenen Fragen rund um das Mikrobiom. Weitere interessante Themen rund um die Ernährung finden Sie hier

SRH Fernhochschule | Prof. Dr. Bianca Müller

Prof. Dr. Bianca Müller

ist Studiengangsleiterin für Ernährungswissenschaft und Prävention (B.Sc.) und Lebensmittelmanagement und -technologie (B.Sc.) and der SRH Fernhochschule - Mobile University

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